Einer der kältesten Orte der Schweiz ist ein «heisser Feger» – ganz besonders für Wanderfans: Die Glattalp zuhinterst im Schwyzer Muotathal.

DIE FAKTEN:
Lage: Oberhalb von Bisisthal in der Gemeinde Muotathal (SZ)
Höhe: 1853 m.ü.M.
Besonderes: Einer der kältesten Orte der Schweiz
Ausgangs-/Endpunkt der Wanderung: Bergstation Luftseilbahn Sahli-Glattalp
Länge: 7 km bzw. 2 – 2 ½ Std.
Anforderungen/Kondition: leicht
Einkehrmöglichkeiten: Berggasthaus unterwegs
Wanderkarte
Achtung: Sonnenschutz beachten (weitgehend im freien Gelände unterwegs)
Anreise: Mit ÖV oder Auto via Schwyz – Muotathal – Bisisthal nach Sahli zur Talstation der Luftseilbahn Sahli-Glattalp (*); Parkplätze vorhanden.
Anreise planen

DIE GANZE GESCHICHTE:
Dauernd hört man von Superlativen. Vom Hochtal La Brevine im Neuenburger Jura etwa, dem «Sibirien der Schweiz»; von Seen wie dem Palpuognasee oder dem Caumasee – beide in Graubünden -, welche in den letzten Jahren (von unterschiedlichen Quellen) zu den «schönsten Seen der Schweiz» erkoren wurden. Und von Alpenpässen, die ebenfalls in der Hitliste der Top Ten figurieren. Solche wie der Klausen- und der Sustenpass. Seit einiger Zeit also auch die Glattalp, inoffiziell «kälteste Alp der Schweiz». Oder besser: Einer der kältesten Orte der Schweiz.

Rot-blau: Luftseilbahn Glattalp vor Bergkulisse.

Glattalp: Alp und See mit Panorama

Aber Du willst auf der Glattalp nicht frieren, sondern wandern. Und das ist im Sommer ein durchaus «heisses» Erlebnis. Denn einerseits thront sie auf 1800 Metern über dem Muotathal und bietet spektakuläre Gipfel-Aussichten. Etwa zu den markanten Windgällen und hinunter zum kleinen Waldisee – beide auf Urner Kantonsgebiet. Andererseits erreicht man die Glattalp mit einem nostalgischen 8-er Gondeli, das eigentlich eine Kraftwerkseilbahn ist, aber auch Touristen transportiert. Drittens liegt hier oben ein kleiner Bergsee, der gleich heisst wie die Alp. Und den die meisten Wanderer umrunden.

Einmal rund um den Glattalpsee

Die Glattalp also: Ambitionierte Wanderer erreichen sie zu Fuss. Rund 2 ½ Stunden dauert die aussichtsreiche Tour von der Talstation der Luftseilbahn Sahli-Glattalp bergan. Unterwegs trifft man auf Dutzende von Kühen, Pferden, Schweinen und Schafen, die hier die Sommermonate verbringen und (teils) ab anfangs Juli die Glattalp bevölkern. Denn die Alpweiden und deren Gras sind üppig und saftig, die Blütenvielfalt gross.

Enziane, Alpenrosen und Polsternelken

Davon können sich auch jene Genusswanderer überzeugen, welche die Glattalp mit der Luftseilbahn erreichen. Enziane, Alpenrosen und rosafarbene Polsternelken überziehen das Gebiet, dazwischen leuchten knallgelbe Trollblumen. Der (Rund-)Wanderweg ist breit und angenehm zu gehen; zur Linken im Westen thront an bester Lage eine SAC-Hütte (wird im Sommer 2020 restauriert). Von den gewaltigen Felsformationen, die hier zum Greifen nahe scheinen und doch nicht einengen, fühlt man sich wohltuend beschützt. Immer wieder ist das Pfeifen von Murmeli zu hören; auch Steinadler sollen hin und wieder gesichtet werden.

Schöne Einkehr: Berggasthaus Glattalp.

Glattalp: Das grösste Karstgebiet der Schweiz

Die meisten Wanderer sichten indes zunächst ein urchiges Berggasthaus am Weg; hinter dem Haus trocknet ausgebleichte Bettwäsche an der Sonne, auf der Terrasse laden Tische, Bänke und Sonnenschirme. Gemütlichkeit nach Älplermanier. Nach etwa zwanzig Minuten ist der kleine Glattalpsee erreicht. Diesen gilt es zu umrunden. Allerdings ist das letzte Drittel – für all jene, welche die rechte Seeseite wählen – ziemlich schroff und karstig. Der markierte Wanderweg führt hier über Schotter und Felsen, und – sofern man im Frühsommer unterwegs ist -, zuweilen über einzelne abschüssige Schneefelder. Gute Wanderschuhe, Trittsicherheit und Wanderstöcke sind denn ein Muss. Wer diesen Hindernissen ausweichen möchte, wählt die linke Seeseite für den Hin- und Rückweg. Die Aussichten bleiben dieselben: Ortstock, Höch Turm und weitere Gipfel der Schwyzer und Glarner Alpen spiegeln sich im Wasser. Die Glattalp ist eine Art natürliches Amphitheater. Mit Hochebenen, steilen Bergflanken, schmalen Graten und dem Glattalpsee als harmonische Ergänzung. Im Übrigen gilt das Gebiet zwischen Klausen- und Pragelpass als grösstes Karstgebiet der Schweiz.

Weiter gehen ins Glarnerland

Würde man jetzt weiter wandern, führte der Weg Richtung Braunwald im Glarnerland – eine Sache von rund 5 Stunden. Denn obwohl die Glattalp auf Schwyzer Kantonsgebiet liegt, zählt die Region bereits zu den Glarner Alpen. Auch die zerklüfteten Felsen, die man von hier aus rundherum sieht und die sich im Laufe von Jahrmillionen übereinander geschoben haben, machen Eindruck. All die Rillen und Risse zeugen von der langen Geschichte dieser einzigartigen Gegend.


Kein Netz für Handy-Fans

Picknickplätze, Tische und Bänkli sucht man am Glattalpsee übrigens vergebens. Stattdessen bieten sich Felsbrocken, die einst von den Bergen hinunter kullerten (und es vermutlich immer noch tun), als natürliche «Tische» und Sitzunterlage an. Ausserdem passiert man auf dem Rückweg erneut das Berggasthaus «Glattalp». Und kann sich bei Älplermagronen, Nussgipfeln oder einem Zvieri-Plättli von den (einfachen!) Strapazen dieser Rundwanderung erholen.
Auf etwas weiteres müssen Wanderer auf der Glattalp ebenfalls verzichten: Auf das Verschicken von Selfies und all den Schönheiten der Gegend an die Neider zuhause. «Kein Netz» meldet das Handy spätestens ab der Talstation Sahli in Bisisthal. Die Welt muss für eine kleine Weile warten. Allein das ist Erholung pur.

Eiskalte Glattalp – warum nur?

Zum Schluss verrate ich Dir das «eisige» Schicksal der Glattalp! Denn sie gilt – wenn auch inoffiziell – als «kälteste Alp der Schweiz» oder «kältester Ort der Schweiz». Hier wurde vor rund 30 Jahren der schweizerische Minusrekord gemessen: – 52,5 Grad C. kalt soll es an einem Februarmorgen 1991 gewesen sein. Grund für diese Besonderheit ist die Lage der Glattalp: Sie liegt in einer Mulde ohne oberirdischen Abfluss. Und bei Wetterbedingungen ohne Wind und Wolken kann sich hier ein eigentlicher Kaltluftsee bilden, wodurch die Temperatur sehr tief absinkt. Doch MeteoSchweiz, die staatliche Messestelle, anerkannte diesen Rekord nicht offiziell. Grund: Dieser sei nicht verifizierbar und die Glattalp zudem unbewohnt. Drum bleibt La Brévine kältemässig der Sieger. Zumindest vorerst…

(*) Die Luftseilbahn fasst nur 8 Personen und kann in 1 Std. maximal 32 Personen transportieren. Mit Wartezeiten ist zu rechnen. Alternative: Wanderung hinauf zur Glattalp.

Teddy B, Juni 2020

Teddy B Ausflugs- und Wandertipps in der Region:

Stoosbahn: Zwischen Himmel und Erde
Pragelpass: Tarzan im Schweizer Urwald
Stoos-Seeli: Darfs ein bisschen Moor sein?
Klausenpass: Auf zum Balmer Grätli
Luftseilbahn Urnerboten – Fisetengrat: Himmelsleiter
Hotel Klausenpasshöhe: Eiserne Lady

Folge mir auch auf Facebook und Instagram! Es gibt jeden Monat Preise zu gewinnen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here