Im Wallis dreht sich bekanntlich vieles um Weine. Der Weinweg zwischen Salgesch und Sierre (Siders) bietet noch mehr – nämlich bizarr geformte Pyramiden.

DIE FAKTEN
Lage: Zwischen Salgesch und Veyras bei Sierre (Siders)
Höhe: 561 m.ü.M.
Länge/Dauer: 6 km bzw. ca. 1 ½ – 2 Std.
Anforderungen: leicht
😊: ganzjährig machbar
☹: keine Beizli unterwegs
Besonderes: Weinmuseun Salgesch und Walliser Weinmuseum Sierre 
Anreise: Mit der Bahn via Leuk oder Martigny nach Salgesch, anschliessend zu Fuss (ca. 10 Min.) zum Ausgangspunkt; mit dem Auto direkt nach Salgesch (einige Parkplätze in Bahnhofsnähe)
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DIE GANZE GESCHICHTE
Drei Faktoren mag ich besonders an dieser Wanderung:

  1. Sie ist das ganze Jahr über machbar und spannend, selbst im Winter. Zumal auch das Walliser Wetter häufig milde gestimmt ist 😊.
  2. Es geht um Weine. Um sehr gute Weine. Denn vorab im Weindorf Salgesch werden hochwertige Weine produziert, sind die Weingesetze streng, der Anbau begrenzt.
  3. Die Weinwanderung ist auch landschaftlich schön. Wo in der Schweiz trifft man sonst noch echte Pyramiden…!

Weinweg Salgesch-Sierre: Verdauungsspaziergang

Aber der Reihe nach! «Wanderung» ist vielleicht etwas hoch gegriffen. «Verdauungsspaziergang» trifft es vermutlich besser, zumal man im Wallis gerne und viel isst und trinkt 😊. Da passt es bestens, dass man sich auch «danach» mit Wein beschäftigt. Der Wein- oder Rebweg von Salgesch nach Sierre führt weitgehend vorbei an Weinbergen und Winzervierteln, hin und wieder entlang einer Suone. Beim Wandern geniesst man über weite Strecken einen Top-Ausblick über das Rhonetal hinauf und hinunter. Ausserdem ist die Strecke leicht zu begehen und ohne grössere Steigungen machbar.

Auch Sierre ist von Weinbergen umgeben.

Informationen über den Umgang mit Wein

Zusätzlich gibt’s einiges zu lernen auf dieser Tour: Entlang dem Pfad sind 80 Informationstafeln aufgestellt; hier erfährt man vieles über Weine, das Leben im Weinberg und die damit verbundenen Arbeiten. Wer seine Kenntnisse vertiefen möchte, besucht zusätzlich das Weinmuseum in Salgesch mit einer Dauerausstellung zu Weinen im Wallis oder jenes in Sierre mit Wechselausstellungen.

Von Wind und Wetter geformt

Mein Highlight erwartet mich allerdings unter freiem Himmel auf halber Strecke zwischen Salgesch und Sierre. Nämlich in der Raspille-Schlucht, die vor Urzeiten von Wind und Wetter so gewaltig durchgeschüttelt und durchgerüttelt wurde, dass sich bizarre Felsformationen bildeten. «Die Pyramiden der Raspille» werden diese Kalkfelsen mit ihren charakteristischen Zacken denn genannt.

Weg und Wohnturm erinnern an Rilke.

Parlez vous francais?

Die Raspille übrigens trennt nicht nur das Ober- vom Unterwallis. Der Fluss bildet zugleich die Sprachgrenze. Rhone-aufwärts spricht man Deutsch oder vielmehr Oberwalliser «Dütsch» 😊, während Richtung Sierre-Siders Französisch überwiegt.
Ein weiteres kleines Highlight hätte ich fast vergessen zu erwähnen: Gegen Ende der Strecke (die auch in umgekehrter Richtung machbar ist) passiert man Veyras und Muzot. So heisst auch das mittelalterliche Schlösschen bzw. ein Wohnturm oberhalb von Sierre, nämlich Château de Muzot. In diesem buckligen, stattlichen Gebäude lebte und arbeitete der österreichische Dichter Rainer Maria Rilke von 1921 bis zu seinem Tod 1926. Zwar ist der «Muzot» heute in Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Trotzdem geht von ihm eine eigentümliche Anziehungskraft aus; ob es an dessen «poetischer» Vergangenheit liegt oder an der «süffigen» Gegenwart? Ihm zu Füssen breiten sich – natürlich – ebenfalls Reben aus… 😊

Ein Tipp zum Schluss: In Salgesch sind fast zwei Dutzend Weinkellereien beheimatet. Sie verkaufen ihre Tropfen gerne vor Ort.

Teddy B, Dezember 2019

Teddy B unterwegs im Wallis:

Lac de Derborance: Golden Eyes
Lötschentaler Höhenweg: Wieder so ein Welterbe!
Leukerbad: Mit Pablo Picasso über die Gemmi
Turtmanntal: Sag mir, wo die Bären sind!
Lac de Moiry: Gletscher-Anschluss
Salgesch: Herbstgold
Schwarzsee Lötschental: Voll der Kracher
Berghotel Schwarenbach: Mit Tomba zum Gipfel
Antoniuskapelle Birchen: Teurer Gotteshock

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