Mehr Moor als irgendwo sonst in der Schweiz: Das Hochmoor Rothenthurm ist ein Paradies für Winterwanderer. Und alle anderen, welche unberührte Natur lieben.

DIE FAKTEN
Lage: Zwischen Rothenthurm und Biberbrugg (SZ/ZG)
Höhe: 923 m.ü.M.
Länge: 5 – 10 km bzw. 1 ½ – 3 Std., je nach Route
Anforderungen/Kondition: leicht
Fläche: ca. 10 qkm
Besonderes: Grösstes zusammenhängendes Hochmoor der Schweiz
Anreise: Mit der Bahn von Zürich (via Pfäffikon) sowie von Luzern her nach Rothenthurm, von Schwyz aus mit dem Bus. Mit dem Auto via Richterswil-Biberbrugg bzw. Sattel-Hochstuckli nach Rothenthurm. Grosser Parkplatz vis-à-vis St. Antonius-Kirche. Zugang zum Moor auf Höhe des «Café Turm»
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DIE GANZE GESCHICHTE
Das Hochmoor Rothenthurm ist ein klassisches Ganzjahresziel. In den Frühlingsmonaten ein wichtiges Vogelbrutgebiet, im Sommer und Herbst beliebt bei Wanderern, Bikern und Reitern. Auch bei Naturfans und -schützern, welche fasziniert sind ob der Vielfalt im Moor mit all seinen Moosen, Gräsern, wilden Orchideen und Tieren – von schillernden Faltern bis zu quakenden Fröschen 😊.

Hochmoor Rothenthurm: Hoch über dem Nebel

Zwar ist es in den Wintermonaten stiller im Moor. Dann ist auch von der Biber, diesem 15 Kilometer langen Flüsschen, das östlich von Rothenthurm entspringt, nicht viel zu hören und zu sehen. Mäandernd oder vielmehr schlingenförmig pflügt sie sich durch das Gebiet, das sich zu einem Viertel auf Zuger Kantonsgebiet ausbreitet. Aber häufig punktet Rothenthurm mit Sonne, wenn über den Städten im Mittelland schwer und trist der Nebel liegt. Und mit etwas Wetterglück auch mit einer dünneren oder dickeren Schneedecke. Dann ziehen Langläufer auf den Loipen vorüber.

wandern im Hochmoor Rothenthurm.

Flacher geht’s nimmer

Und – natürlich! – Winterwanderer. Denn einfacher spazieren geht kaum. Schliesslich ist das Hochmoor Rothenthurm flach, flach, flach! Es gibt den klassischen Moorweg von Rothenthurm nach Biberbrugg oder umgekehrt – und Bahnhöfe an beiden Orten (😊). Ideal für all jene, die mit ÖV anreisen. Eindrücklich ist aber auch eine entspannende Rundwanderung ab/bis Rothenthurm. Praktisch daran: Die Wege im Moor sind vielfältig, die Gegend eben, so dass man den hoch aufragenden Kirchenturm der Rothenthurmer Pfarrkirche St. Antonius fast von jedem Winkel aus erspäht. Sich also nie «verirrt» und bei Bedarf den Rückweg antreten kann.

Wo bitte liegt Rothenthurm?

Was ist denn Turpnä?

Was schade wäre. Denn nebst seiner weissen Winterdecke punktet das Hochmoor mit Bergföhren, Fichten, Auen – und diversen «Turpnä-Hüttli». Kleine Holzhütten, die an einen einst blühenden Wirtschaftszeig erinnern, nämlich Torf stechen. Denn in diesem trogförmigen Hochtal wurde noch im Zweiten Weltkrieg Torf gestochen. «Turpnä» nennt man das im lokalen Dialekt. Torf wird heute nicht mehr abgegraben, doch die Hütten bleiben; häufig steht davor sogar eine Bank, wo sich perfekt rasten lässt. Unterwegs gibt’s auch kleine (Besen-)Beizli und grössere wie etwa das «Steinstoss-Stubli» samt Terrasse. Und immer wieder Wegweiser 😊.

Noch mehr Moor dank Infos am Weg.

Auch ein Turä gehört dazu

Wer am Schluss der Wanderung noch Lust auf mehr hat: Die Kirche St. Antonius im Dorfzentrum gehört zu den grössten und schönsten Kirchen der Region und ist bekannt für ihre riesigen Inschriften auf dem Dach. Wenige Dutzend Meter weiter auf der anderen Strassenseite steht auch der «Turä», wie ihn die Einheimischen nennen: Der bald 600-jährige markante Turm mit dem roten Dach, welcher dem Ort einst zu seinem Namen verhalf.

Teddy B, Februar 2020

PS: Wie war das mit der Volksabstimmung?

Ältere Teddy B Fans erinnern sich: Das Eidgenössische Militärdepartement plante in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen Waffenplatz samt Kaserne für 500 Soldaten. Und Pisten, Wällen und Brücken. «Ausgerechnet» im rund 10 Quadratkilometer grossen Moorgebiet von Rothenthurm. Nicht, dass das Moorgebiet damals noch gross genützt worden wäre. Als Ackerland taugte das Moor nicht. Und Generationen hatten das Gebiet als «nutzlos» bewertet, zumal hier längst nicht mehr Torf abgebaut wurde wie noch im Zweiten Weltkrieg. Aber ein Waffenplatz war dann doch zu viel des Guten! Als das Schweizer Stimmvolk den Schutz des Rothenthurmer Hochmoors schliesslich annahm, galt das als politische Sensation. Damit war das Hochmoor von Rothenthurm 1987 das erste Hochmoor des Landes, das (buchstäblich «vom Volk») unter Schutz gestellt wurde.

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Etang de Gruère: Bann im Moor
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