Valencia (ES): Valencia spielt verrückt

2
1051

Kannst Du Dir Simonetta Sommaruga, Roger Federer oder Stephan Eicher als Pappmaché-Figuren vorstellen, die auf dem Scheiterhaufen enden? Am spanischen Frühlingsfest Fallas in Valencia gehört dieses Spektakel zu den Höhepunkten!

DIE FAKTEN
Fallas: Alljährliches Frühlingsfest in Valencia mit Umzügen, Feuerwerk und bis zu haushohen Skulpturen aus Pappmaché
Datum: März, wobei der Josefstag (19. März) den Höhepunkt bildet
Besonderes: 2016 wurden die Fallas in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen
Was läuft 2020? Schau Dir die Auflistung von tourmark/railtour suisse an!

DIE GANZE GESCHICHTE
Als Schweizer Teddybär geht man in Achtungsstellung, wenn die Geisslechlepfer in Schwyz oder die Klausjäger in Urnäsch lärmend durch die Gassen ziehen. Laut ist es, unüberhörbar die Treichlen, Schellen, Peitschen,  Glocken und mehr. Überall  wird gefeiert. Auch am Zürcher Sechseläuten oder am Morgestraich der Basler. Brauchtum will schliesslich nicht nur gelebt, sondern auch gehört werden.

Ein Fest der Superlative und unüberhörbar

Doch was ich im spanischen Valencia anlässlich der Fallas zu Gehör bekommen habe, sprengt alle Grenzen. Das hiesige Frühlingsfest ist ein Fest der Superlative, das sich über Monate hinzieht. Und lauter und lauter wird. Bis das Ganze zwischen dem 15. und 20. März buchstäblich explodiert. Dann nämlich, wenn in der letzten Nacht die Fallas feierlich und mit viel Getöse verbrannt werden.

Bunte Figuren aus Pappmaché

Aber was sind Fallas überhaupt? Vereinfacht gesagt: Riesige Figuren aus Pappmaché, Holz und gelegentlich anderen brennbaren Materialen. Die Fallas haben dem Frühlingsfest in Valencia seinen Namen gegeben. Diese bunten Figuren werden in monatelanger Arbeit von lokalen Künstlern und Handwerkern angefertigt und dann auf vielen Plätzen in der Innenstadt aufgestellt. Einzelne dieser Kunstwerke sollen über 100’000 Franken kosten. Obschon die Puppen nicht wirklich «schön» sind. Denn häufig sind es Karikaturen von hiesigen Sportlern, Promis und anderen nationalen Grössen, die anlässlich der Fallas guten Gewissens verspottet und dann verbrannt werden.

Mascletàs knallen, Schüsse fallen

Fast 150’000 Mitglieder zählen die über 40 Stadtviertel Valencias. Ihr Ehrgeiz ist es, eine eigene Falla zu errichten, die das Viertel repräsentiert. Und besser, schöner, anders ist als jene des Nachbarsviertels. Selbst als Teddybär-Tourist realisiert man die allgemeine Aufregung, die in Valencia von Tag zu Tag wächst, je näher der Höhepunkt – die Nacht vom 19. auf den 20. März – rückt. Überall knallt es – auf Schritt und Tritt! Jedes Kind zündet Knallkörper; an langen Schnüren montiert und lustvoll zu Boden geschmissen, explodieren die Dinger mit dumpfem Knall. Feuerwerk steigt sogar mitten am Tag in den Himmel, begleitet von ohrenbetäubendem Knall. Mascletàs heissen diese Tages-Leuchten. Gute Pyrotechniker haben in Valencia denn Promi-Status und werden verehrt wie Popstars. An den abendlichen Feuerwerken in der Innenstadt sind hunderttausende von Zuschauern zugegen.

Ein Kleid, nicht gestickt, sondern gesteckt

Besonders verehrt wird in Valencia die Stadtpatronin. Der Verge dels Desamparats (Heilige Jungfrau der Schutzlosen) zu Ehren findet gegen Ende der Fallas ein zweitägiger Opfergang statt, an dem über 100’000 Frauen und Männer teilnehmen; alle in prächtigen Gewändern und Trachten. Dann wird auf der Plaza de la Virgen eine fast 20 Meter hohe Holzstatue der Heiligen Jungfrau aufgebaut. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin bringt ihr ein Opfer dar in Form einer Blume. So wird innert einigen Tagen das Madonnenkleid nicht gestickt, sondern gesteckt. Mehrere Tonnen Rosen, Nelken, Tulpen, Gladiolen und viele Blumen mehr zieren das duftende Kleid.  Blumen, die aus ganz Spanien eigens für die Fallas nach Valencia eingeflogen werden.

Wer versteht schon den Böögg!

Ich gestehe: Ich war fasziniert von den Fallas. Von den Farben, den Kostümen, der Musik und der allgemeinen Euphorie. Aber auch irritiert. Vom ohrenbetäubenden Knallen in den letzten Tagen und Nächten vor dem 20. März. Vom Lärm auf Schritt und Tritt. Von diesen Massen an Menschen überall in der Innenstadt. So richtig erfühlen kann die Fallas wohl nur ein Valenciano, eine Valenciana.
Aber wer will Touristen die Faszination für einen Böögg erklären! Auch das ist vermutlich nur Einheimischen vergönnt.

PS: Häufig unterwegs – welches Handy-Abo macht Sinn?

Teddy B, März 2017

Folge mir auch auf Facebook und Instagram und abonniere meinen Video-Channel! Auf Facebook gibt es jeden Monat Preise zu gewinnen!

2 Kommentare

  1. Die spinnen doch, die Spanier! Noch nie von Luftverschmutzung gehört? Das muss ja grässlich stinken, und diese dauernden Böllerschüsse können ja kaum gesund sein.

    • Lieber Renato, andere Länder, andere Sitten… – wir Schweizer können uns wohl kaum richtig in die Valencianos einfühlen. Aber wie würden Spanier wohl auf das Sechseläuten oder die Basler Fasnacht reagieren 🙁 ?

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here