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Heulen vorprogrammiert: Der Kinohit «Il Postino» aus dem Jahr 1994 rührte ein Millionenpublikum. Was ist aus «seiner» Insel Salina seither geworden?

DIE FAKTEN
Der Film: Il Postino (Der Postmann)
Hauptdarsteller: Massimo Troisi, Philippe Noiret, Grazia Maria Cucinotta
Erscheinungsdatum: 1994
Drehorte: Inseln Salina und Procida (I)
Besonderes: Tränenfaktor 10 ☹ ☹ ☹
Hotel-Tipp: Hotel Mamma Santina, Santa Maria Salina
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DIE GANZE GESCHICHTE
Es war einmal… ein ebenso bescheidener wie verliebter Insel-Pöstler (Postmann), der seine Angebetete mit Versen zu erobern versuchte und dabei auf die Hilfe seines intellektuellen Freundes Pablo Neruda zählen durfte. Und damit ein Millionenpublikum im Kino zu Tränen rührte. Als Hauptdarsteller Massimo Troisi zudem unmittelbar nach Drehschluss an Herzversagen starb, wurde die schaurig-schöne Geschichte noch filmreifer.

Il Postino: Heulen vorprogrammiert

Lang, lang ist’s her – ein Vierteljahrhundert! Gedreht wurde der Film «Il Postino» (Der Postmann) 1994 in Süditalien. Namentlich auf den Mittelmeerinseln Procida (Golf von Neapel) und Salina (Liparische Inseln). «Il Postino» löste vor allem auf der 2500-Seelen-Insel Salina einen Touristenboom aus. Einer, der damals hautnah dabei war, ist Santino Rossello, ehemaliger (Verkehrs- und Gemeinde-)Polizist im Hauptort Santa Marina Salina. Santino kennt nicht nur jeden Winkel «seiner» Insel, er erinnert sich auch an viele Details der Dreharbeiten. Und daran, dass Salina in den Folgejahren von Touristen förmlich überschwemmt wurde. Von bis zu 600 Gästen pro Tag.

Die Immacolata-Kirche in Santa Marina Salina.

Wo bitte steht das Haus des «Postino»?

Schmunzelnd erzählt der Ex-Polizist: «In Santa Marina Salina, wo ich Dienst tat, reichte es zu jener Zeit, auf Brust und Rücken ein Schild zu tragen, auf welchem die Abfahrtszeiten der Busse, die Mietmöglichkeiten für Scooter und Autos standen, ausserdem die genaue Lage des ‘Film-Hauses’ und die Rückreisedaten für Fähre oder Tragflügelboot. Denn das war alles, wonach die Fremden fragten!». Obschon Santino doch so viel mehr zu erzählen hätte! Von Begegnungen mit Schauspieler Massimo Troisi – «eine fantastische Persönlichkeit und sehr menschlich» – bis zu traurigen Fakten wie jenem, dass der schwer Herzkranke in vielen Szenen gedoubelt und stets von Arzt und Krankenschwester begleitet wurde.


Ein Postino, Kapern und Malvasier

Salina also. Gerade mal 7.5 Kilometer lang und maximal 5.5 Kilometer breit. Vulkanisch, fruchtbar und weitherum bekannt für qualitativ hochstehende Kapern und süssen Malvasier-Wein. Berühmt auch für üppige Mittelmeermacchia, zwei erloschene Vulkane – und diesen einzigartigen Strandabschnitt – oder vielmehr eine spektakuläre, vielleicht 200 Meter lange Felsküste, die den Film «Postino» weltberühmt machte. Santino Rossello hat in seinen Polizisten-Jahren unzählige Gäste für seine Insel begeistert – Teddy B inklusive! Heute ist er pensioniert, aber seine Passion für Salina ist ungebrochen. Deshalb: Grazie mille, caro Santino 🙂 !
Auch Mario Gullo, Hotelier im Hauptort Santa Maria Salina, lebt seit eh und je auf der Insel. Und führt ein kleines, schmuckes Hotel an bester Lage über dem Meer, das 3*-Hotel «Mamma Santina». Mario vermittelt seine Salina-Passion über das Kochen. Der begnadete Koch führt Gäste in die Kunst der sizilianischen und äolischen Küche ein, seine Kochkurse sind weitherum beliebt und begehrt.

Die Insel Salina mit Blick auf Lipari.

Kein billiges Ziel

Was aber hat sich verändert seit dem «Postino»? Gewiss, Ruhm und Boom auf Salina mögen ein Vierteljahrhundert später etwas verblasst sein. Andere Mittelmeerziele sind preislich günstiger und schneller erreichbar. Für Salina dagegen muss man sich Zeit nehmen. Zeit zum Anreisen, zum Ankommen, zum Sein. Kein Flugzeug fliegt hierher; es gibt nur einen Helikopter-Landeplatz für Notfälle. Dafür Fähren und Tragflügelboote vom Festland aus – etwa aus Napoli, Milazzo oder Palermo. Die edlen Segel-Kreuzfahrtschiffe legen auf der grösseren Nachbarsinsel Lipari an. Und wenn das Wetter übel gelaunt ist und starker Wind herrscht, bleibt man auf Salina auch mal hängen. Das behagt nicht allen. Obschon es mittlerweile auch 4- und sogar 5-Sterne-Hotels auf der Insel gibt. Dafür finden jene, die weiterhin hierherkommen, Natur pur im Überfluss. Und angenehme Unaufgeregtheit. Mario Gullo meint lakonisch: «Viele Jahre sind vergangen. Aber die Schönheit, die Düfte und auch die gute Küche auf Salina sind gleichgeblieben.» Milde lächelnd ergänzt der Salinaro: «Ich denke, wir können zufrieden sein…»



Und wenn man Santino und Mario sprechen hört, ist es beinahe so, als wäre der «Postino» auch heute noch präsent. In den Menschen, in den Herzen.

Teddy B, Juni 2019

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