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Einen Dreitausender bezwingen und zwischen Himmel und Erde thronen: Der Igl Compass (GR) im Albulagebiet ist dafür wie geschaffen – Pfadi-Feeling inklusive. Hier würde selbst Reinhold Messner neidisch 🙂 .

DIE FAKTEN
Höhe: 3016 m.ü.M.
Lage: Berggipfel nordwestlich des Albulapasses
Länge: ca. 2 1/2 – 3 Std.
Ausgangs/Endpunkt: Albula-Passhöhe (Hospiz) – Igl Compass und zurück
Anforderungen/Kondition: mittel
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DIE GANZE GESCHICHTE
Lange habe ich davon geträumt, einmal auf einem Dreitausender zu stehen. Auf einem richtig hohen Berg. Zwischen Himmel und Erde zu thronen und den Alltag unter mir zu lassen. Mich wie ein Pionier oder – noch besser – Pfadfinder zu fühlen. Wie damals zu Jugendzeiten. Als man spannende Postenläufe absolvierte. Mit Spürsinn, OL-Postenkarte und Neugierde loszog und am Ziel stolz und glücklich war. Auf dem Gipfel des Glücks sozusagen.
Im Albula-Gebiet zwischen Bergün und La Punt (Graubünden) kann man solche Träume in die Tat umsetzen. Und einen Dreitausender besteigen. Igl Compass heisst der 3016 Meter hohe Berg nordwestlich vom Albulapass. Das Pfadi-Feeling gibt’s gratis mit dazu.

Pfadi-Feeling für Anfänger und Fortgeschrittene

Aber der Reihe nach: Als erstes heisst es eine OL-Stempelkarte beziehen; diese gibt’s im Tourismusbüro von La Punt oder im Albula-Hospiz auf der Albula-Passhöhe auf 2300 Metern Höhe. Wenn ich diese Karte zuoberst auf dem Gipfel eigenhändig loche, erwartet mich bei der Rückkehr im Berghaus eine süsse Überraschung. Kaffee und Kuchen soll’s geben – für ganze 2 Franken. Ob das stimmt?

Wer pfeift mir denn da hinterher?

Beim Hospiz ist der Weg Richtung Igl Compass bereits markiert. Also Rucksack, OL-Postenkarte, Wanderschuhe und -stöcke parat machen – und los.  Zwischen 2 ½ und 3 Stunden soll die Tour dauern.
Doch bereits auf den ersten Metern muss ich pausieren. Und staunen. Denn unter mir liegt ein weiches, duftendes Meer aus Farben: Enzian, Leimkraut, Alpen-Margeriten, Silberwurz, Zwerg-Glockenblumen und vieles mehr – Alpenflora vom Feinsten. Also einen Moment hinlegen und tief einatmen. Kurz darauf wundere ich mich, weshalb mir dauernd hinterher gepfiffen wird. Obschon nur wenige Wanderer unterwegs sind. Doch die «Lobes-Rufe» stammen nicht von Menschen. Es sind Murmeli in Achtungsstellung, die ihre Kollegen vor mir warnen. Und schnurstracks in ihre Höhlen verschwinden.


Einst war hier Meer

Weiter geht’s aufwärts, der Weg wird stotziger. Zum Glück weisen rot weisse Markierungen auf Steinen den Weg Richtung Gipfel. Dann gibt’s ein Schneefeld zu überqueren. Auch Stein und Geröll. Vor Urzeiten war hier Meer, bevor die vielen Gesteinsschichten der Albula-Region übereinander gestossen wurden. Kaum vorstellbar, dass Orte wie «Schlittel-Preda» vor Jahrmillionen am Wasser lagen! Und Dinosaurier die Gegend bevölkerten. Solchen Urgenossen begegne ich unterwegs nicht. Aber auch die Gesteine erzählen Geschichten. Einzelne Schieferplättchen fühlen sich an wie Pergament, zart und zerbrechlich – und das auf Höhen zwischen 2800 und 3000 Metern.

Der Igl Compass ist zum Greifen nahe

Irgendwann ist die Fuorcla Zavretta auf 2900 Metern erreicht, letzte Station auf dem Weg zum Glück. Auch hier weist nochmals ein Schild zum «Compass», der nur noch eine kurze «Grat-Wanderung» entfernt ist. Zwanzig Minuten später stehe ich am Ziel meiner Träume 3016 Meter über dem Meer. Geschafft! Wie zur Belohnung flattert auf dem Gipfel ein OL-Posten im Wind, darüber ist der nostalgischen Locher für meine OL-Postenkarte zu sehen. Wo eben ein anderer Wanderer seine Karte stempelt und sich so das erste Stück vom Kuchen sichert. Selten habe ich mich so klein und gleichzeitig so «gross» gefühlt. Ehrfürchtig, demütig und auch stolz.


Paradies zwischen Himmel und Erde

Jetzt heisst es, auch meine OL-Postenkarte stempeln – und dann den Rundblick geniessen. Weit unten ist der tiefblaue Palpuogna-See zu erkennen, darüber Dutzende weiterer Dreitausender. Auch der höchste Gipfel der Ostalpen: Der Piz Bernina mit seiner stolzen Höhe von 4049 Metern. Wie ein einsamer Pinselstrich zieht sich die Albula-Passstrasse durch das Grün und Grau, und das stattliche Hospiz auf der Passhöhe ist von hier oben nichts mehr als ein winziger Würfel.
Soll ich überhaupt wieder runter von diesem Paradies zwischen Himmel und Erde? Doch im Albula-Hospitz wartet schliesslich die süsse Belohnung. Auch deshalb geht der Rückweg leichter als der Aufstieg. Ob man meine Stempelkarte akzeptiert? Aber sicher. Fünf Minuten später stehen ein riesiges Stück Himbeertorte und eine Tasse Kaffee vor mir. Das habe ich mir verdient – Schritt für Schritt!


Krönende Übernachtung

Das Pfadi-Bergler-Gefühl also noch eine Weile auskosten? Warum nicht! Im Albula-Hospiz stehen einfache Zimmer zur Verfügung.  Wer noch eins draufsetzen möchte, erholt sich im 450jährigen Gasthaus Krone im nahen La Punt. Wo die Gäste in urgemütlichen Zimmern aus duftendem Lärchenholz nächtigen. Was mir besonders gefällt: Jeder Gast wird gleich freundlich behandelt. Ob aufgebrezelt oder verschwitzt im roten Wanderpulli – wie ich, Teddy B. Und ich schwöre: Die Gerstensuppe der «Krone» ist die beste der Welt!

Anmerkung: Diese «Compass»-Aktion gilt/galt ausschliesslich im Jahr 2017. Doch auch ohne Pfadi-Feeling auf dem Gipfel ist die Wanderung sehr zu empfehlen 🙂 !

Infos

Teddy B, Juni 2017

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6 Kommentare

  1. Besten Dank für die ausführliche Beschreibung. Da waren wir noch nie unterwegs und mir gefällt das vor allem in Verbindung mit einer Übernachtung und Essen in La Punt….. Freue mich!

  2. Freunde, diesen Berg kann ich Euch wirklich ans Herz legen! Ich habe zwar innerlich immer mal wieder geflucht, wenn ich zwischendurch knietief im Schnee versank, über Stock und viele Steine stolperte, aber zum Schluss überwogen die Glücksgefühle. Oben auf dem Gipfel stehen und wissen: Ich hab’ das aus eigener Kraft geschafft, ist Hammer-schön. Und das phantastische 360-Grad-Bilderbuch-Berg-Panorama setzt noch eins drauf. Ganz ehrlich: Ich würde morgen wieder hin oder – pardon – rauf, auf den Igl Compass! Macht Euch schlau, es lohnt sich: https://www.engadin.stmoritz.ch/lapunt
    PS: Die Himbeer-Torte im Albula-Hospiz ist auch nicht ohne – und riesig… 🙂

  3. Das möchte ich auch mal machen, scheint ja nicht so schwierig zu sein, oder? Sieht jedenfalls toll aus.

  4. Hallo Teddy, wir haben die Wanderung zu viert gemacht, es war super. Ein bisschen schwindelig wurde uns schon auf der Krete beim Runterschauen – ab er die Aussicht hat die Müh gelohnt. Cool!

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