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Er ist ein Juwel mit einzigartiger Flora und Fauna, aber nicht für die Ewigkeit gemacht: Der Tschingelsee im Berner Oberländer Kiental verlandet zunehmend.

DIE FAKTEN
Höhe: 1150 m.ü.M.
Lage: Hinteres Kandertal im Berner Oberland
Besonderes: Durch einen Bergsturz im Jahr 1972 entstanden
Anreise: Mit der Bahn bis Reichenbach im Kandertal und mit dem Postauto weiter zum Tschingelsee (Station «Kiental, Tschingel», mit dem Auto direkt bis zum Tschingelsee bzw. zur Station «Kiental, Tschingel» (gebührenpflichtige Parkplätze)
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DIE GANZE GESCHICHTE
Unter einem «See» stellt man sich eine kleinere oder grössere zusammenhängende Fläche vor. Das gilt nicht für den Tschingelsee: Dieser ist ein ständig wechselndes Feuchtgebiet aus Rinnsalen, Bächen und Mini-Seen. Und damit auch ein Auengebiet von nationaler Bedeutung! Viele Wasservögel finden hier Zuflucht, und eine ganz spezielle Flora siedelte sich an. Seit 1987 steht der See denn unter Naturschutz.

Tschingelsee: Nur gestaut

Aber der Reihe nach: Dieser schön gelegene «Fake-See» im hinteren Kiental (die Einheimischen nennen es «Chientl» 😊 im Berner Oberland ist ziemlich jung. Er entstand erst 1972 durch einen Murgang. Damals tobte im Juli ein heftiges Gewitter, welches den Talhang des Ärmighorns ins Rutschen brachte. Wo zuvor eine riesige Alpweide lag, blockierte nun die immense Menge an Geröll und Erde den Zufluss des damaligen Gornernbachs und schuf einen natürlichen Damm. Der Tschingelsee war «geboren» – 800 Meter lang und 300 Meter breit.

Kraft tanken statt Bier trinken

Ausflugsbeizen, Bootsvermieter und Souvenirgeschäfte sucht man hier allerdings vergebens. Nicht wie am benachbarten Oeschinensee, der vorab im Sommer von Gästen geflutet wird. Hier dominiert die Natur. Von Kiental, dem Namens gebenden Dorf des Tales, führen Wanderwege in rund 1 Stunde (4 km) zum See. Die Einheimischen schwören darauf, dass in dessen Umgebung gleich mehrere Kraftorte für wohliges Herzklopfen sorgen; einen davon habe ich besucht, einen ur-ur-alten Ahornbaum. Und tatsächlich: Ein Kribbeln war deutlich zu spüren. Wo er steht? Das finden sensible Wanderer ganz «natürlich» heraus. Und sonst lohnt es sich, online einen Führer zu Kraft- und Magie-Orten zu bestellen: Buchhaus.ch – Schweizer Online-Buchhandlung

Alle wollen hinauf zur Griesalp

Die meisten Wanderer wollen eh höher hinaus, nämlich zur Griesalp, dieser überaus schmucken Alp auf 1400 Metern Höhe am Fusse der berühmten Blüemlisalp. Entlang dem Wildwasserweg (ab Station «Kiental/Tschingel») mit seinen diversen Bächen und Wasserfällen ist das vor allem im Hochsommer eine herrlich erfrischende Wanderung von etwa einer Stunde. Wandermuffel können auch das Postauto nehmen; schliesslich führt von hier aus die steilste Postauto-Strecke Europas bergan.

Wildwasserweg: Ausblick auf den Tschingelsee.

Verlandung nicht aufzuhalten

Den wichtigsten Grund für einen Besuch des Tschingelsees verrate ich Euch zum Schluss: Er ist nicht in Ewigkeit «gemeisselt»! Denn bedingt durch das Zurückgehen der Gletscher – in diesem Fall des Gamchigletschers -, wird seit den 90er-Jahren verstärkt Geschiebe darin abgelagert. Als Folge davon verlandet der Tschingelsee immer mehr – und wird irgendwann gar nicht mehr sein. Höchste Zeit also, sich dieses Juwel noch aus der Nähe anzusehen!

Teddy B, Juli 2019

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1 Kommentar

  1. Die Aussicht auf den Tschingelsee vom Wildwasserweg aus ist mega schön! Überall kommt man an Bächen und Wasserfällen vorbei und sieht eindrücklich, wie stark dieser See schon verlandet ist.

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