Für diese Rundwanderung in den Alpes vaudoises gibt es mindestens fünf gute Gründe. Einer davon ist «bärenstark» und heisst «Trou à l’Ours» (Bärenloch).

DIE FAKTEN:
Lage: Pont de Nant
Höhe: 1243 m.ü.M. (Pont de Nant) bzw. 1658 m.ü.M. (Trou à l’Ours)
Länge Rundwanderung (ab/bis Pont de Nant): 6,5 km bzw. 3 bis 3 ½ Std.
Anforderungen/Kondition: Mittel
Besonderes: Trou à l’Ours (= Bärenloch) als Höhepunkt und Herausforderung
Praktisch: Alpes vaudoises Wanderkarte
Anreise: Mit ÖV (Bahn/Postauto) via Bex nach Les Plans-sur-Bex (Haltestelle «Les Plans-sur-Bex, poste») und weiter zu Fuss in ca. 35 Minuten zum Ausgangspunkt in Pont de Nant. Mit dem Auto bis Pont de Nant (Parkplätze vor dem Restaurant «Auberge de Pont-de-Nant»).
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DIE GANZE GESCHICHTE:
Eins vorneweg: Unter Klaustrophobie solltest Du nicht leiden. Und etwas Kraft in Armen und Beinen ist auch von Vorteil. Sofern Du beide Voraussetzungen erfüllst, erwartet Dich eine einmalige, unvergessliche Entdeckungstour in den Alpes vaudoises. Mindestens (!) fünf Gründe sprechen dafür:

1. Das Tal Vallon de Nant – Millionen wert

Das Vallon de Nant – auf Deutsch «Nant-Tal» – ist Naturschutzgebiet. Nur 14 Quadratkilometer gross, aber mit einer Vielfalt an Pflanzen. Ganz zuhinterst im Tal sichtet man gar einen Gletscher oder vielmehr die Überreste davon: Den Glacier des Martinets. Dominiert wird das Vallon de Nant vom Petit Muveran und vom Grand Muveran, zwei markanten Berggipfeln auf Höhen zwischen 2800 Metern und 3050 Metern. Der eine der beiden hat den Maler Ferdinand Hodler einst so beeindruckt, dass dieser während eines Aufenthaltes im Jahr 1912 ein Gemälde davon erstellte. Fast hundert Jahre später wurde «Le Grand Muveran» für über 1,5 Millionen Franken verkauft!

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Vielfältige Wanderungen im Vallon de Nant.
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Bijou am Weg: Alpengarten La Thomasia.

2. Die Wanderung: Der liebe Gott läuft mit

Doch um die Schönheiten des Vallon de Nant kennenzulernen, brauchst Du keine Millionen. Eine gute Kondition reicht. Vom Ausgangspunkt in Pont de Nant führt ein breiter Naturweg sanft ansteigend dem Avançon (de Nant) entlang. Jenem Bergbach, der am Glacier des Martinets entspringt. Vorbei am Botanischen Alpengarten La Thomasia mit fast 3000 Bergpflanzen aus aller Welt. Auch waldige Abschnitte passiert man. Bis hin zu einer Lichtung, wo der liebe Gott seine Hand im Spiel gehabt haben muss. Wie hingepinselt wirkt die Natur: Gewaltige Felsbrocken liegen im Gras, am Horizont zeigen sich die Überreste des Glacier des Martinets, zu seiner Linken stürzt sich ein Wasserfall ins Tal, und rundherum ragen Gipfel empor. Ehrlich göttlich!
Diesen Anblick solltest Du geniessen, denn der Aufstieg zum berüchtigten Trou à l’Ours (Bärenloch) wird anstrengend, der Weg durch den Wald schmaler, steiler – und felsiger. Zwar garantiert an exponierten Stellen eine Kette für Halt. Aber kraxeln musst Du allein. Gute Wanderschuhe und –stöcke lohnen sich. Danach erst folgt der Höhepunkt.

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Idyllischer wandern entlang Wäldern und Wiesen.
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Ebene mit Aussicht im Vallon de Nant.

3. Trou à l’Ours – das Bärenloch: Nichts für Angsthasen

Das Bärenloch ist eigentlich nichts anderes als eine Felsspalte, eine Art Kamin. Und wie es zu seinem Namen kam, nicht restlos geklärt. Einige Quellen besagen, dass bis ins 20. Jahrhundert Bären in dieser Felsspalte Unterschlupf suchten; andere, dass Menschen in eben dieser Schutz vor den Bären suchten.
Sei’s drum. Das Trou à l’Ours hat es an und in sich. Etwa fünf Meter führt die Spalte himmelwärts. Ziemlich schmal, ziemlich steil – fast senkrecht – und zur Linken mit einer Kette ausgerüstet, um Halt zu bieten. Wer allzu füllig ist oder einen schweren Rucksack trägt, wird Mühe haben mit dem Ein- und Aufstieg (siehe Tipps zum Schluss). Dafür wartet oben, wo das Licht durchschimmert, die Erlösung. Nein, mehr: Die «Erleuchtung».

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Da oben geht’s zum Trou à l’Ours (Bärenloch)!
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Und hier soll jemand durchkraxeln können?
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Ja, es funktioniert: Ausstieg aus dem Bärenloch.

4. Die Aussicht: Himmlische Belohnung

Denn auf fast 1700 Metern Höhe liegt einem das Vallon de Nant zu Füssen. Der Kleine und Grosse Muveran wirken von hier aus nicht mehr ganz so mächtig, der Glacier des Martinets noch etwas schmächtiger, der Wald zur Rechten zum Greifen nah. Also ganz tief durchatmen und geniessen!
Soviel Schönheit beflügelt; der Rückweg nach Pont de Nant lässt sich in einer knappen Stunde bewältigen. Die Waldpassagen sind teils etwas steil, aber ohne grössere Hindernisse. Zurück am Ausgangspunkt realisierst Du eine weitere mächtige Gebirgskette, nämlich das Diablerets-Massiv. Man könnte auch dorthin wandern. Oder die Kantonsgrenze überqueren Richtung Wallis und zum Lac de Derborence.

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Geschafft! Göttliche Aussicht vom Bärenloch!

5. Einkehren und ausspannen: Schöner essen

Aber vom Wandern allein lebt bekanntlich keiner. Und wer Kalorien verbrannt hat, will und darf auch wieder zugreifen. Am Ausgangs- und Endpunkt der Rundwanderung in Pont de Nant steht mit der Auberge de Pont-de-Nant ein Restaurant, das stolze 13 GaultMillau-Punkte für sich beansprucht und trotzdem nicht «steif» wirkt. In der Deutschschweiz wagt sich kaum jemand im Wandertenü ins Edellokal. Nicht so in den Alpes vaudoises. «Ungezwungen» ist der treffende Begriff, der die Terrasse dieses gemütlichen Restaurants im Chaletstil bezeichnet, wo ebenso selbstverständlich edle Tatar-Kreationen aufgetragen werden wie währschafte Rösti. Da soll noch jemand vom «Röstigraben» sprechen…

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Deftige Rösti im GaultMillau-Lokal:
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Die Auberge de Pont-de-Nant.

                          Frage zum Schluss: Bärenloch – ja oder nein?

Das Bärenloch ist nicht per se problematisch; trotzdem gilt es einiges zu beachten:

  • Nimm einen kleinen, leichten Rucksack mit, den Du vor der Brust trägst!
  • Wähle für die Wanderung einen sonnigen Tag bzw. trockene Witterung; denn auf feuchtem Untergrund steigt die Gefahr des Ausrutschen.
  • Ausweichen und das Bärenloch umrunden? Geht nicht – höchstens umkehren.
  • Kinder – ja oder nein? Und Hunde? Die Entscheidung liegt bei Dir. Mein Tipp: Eher nein.

Weitere Infos

Teddy B, August 2020

Weitere Top-Ziele in den Alpes vaudoises:

Bretaye, Villars-sur-Ollon: Wandern mit Henri Guisan
Glacier 3000: Gletscher-Trekker
L’Etivaz: Street Parade
Lac Lioson, Col des Mosses: Spiegel-Bilder
Rossinière: Scherenschnitte mit «Bling-Bling»
Leysin: Chapeau!
Pendelsprung, L’Etivaz: Schluchten-Schaukeln
Pont Turrian: Alter Hänger
Chapelle Balthus, Rossinière: Nackte Wahrheiten
Rossinière: Das XL-Chalet
Peak Walk: Romantik für Fortgeschrittene
Ballonmuseum: Mehr als heisse Luft
Rüeblihorn: Röstigraben für Einsteiger

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