Gibt es sowas wie «verzauberte» Alpenpässe, Urwälder und wilde Wasser in der Schweiz? Ja! Dort, wo der Pragelpass durchführt – zwischen den Kantonen Schwyz und Glarus.

DIE FAKTEN
Höhe: 1548 m.ü.M. (Passhöhe)
Lage: Gebirgspass zwischen dem Muoatal (SZ) und dem Klöntalersee (GL)
Besonderes: Bödmeren Fichtenurwald – der grösste subalpine Fichtenurwald Mitteleuropas
Teddy B BuchtippWanderführer durch 132 Naturschutzgebiete der Schweiz
Anreise planen

DIE GANZE GESCHICHTE
Die Geschichte beginnt zuhinterst im Muotatal; jenem Tal lange nach Schwyz, das seinen Namen einem Fluss verdankt. Der hiess ursprünglich Muoth-Ah, was so viel heisst wie «Wildes Wasser». Und weil dieses wilde Wasser damals wie heute durch ein Tal floss und fliesst, kam das Wilde-Wasser-Tal oder eben Muotatal zustande. Nicht-Muotataler kennen die kantigen Wetterschmöcker, auch das Hölloch, diese mit fast 200 Kilometern Länge viert grösste Karsthöhle der Welt. Und dann ist bald mal Schluss.

Pragelpass: Ein harter Brocken

Dabei geht es über dem Hölloch erst richtig los – eben dort ganz zuhinterst im Tal. Wo der Pragelpass allmählich ansteigt. Mit 18 Prozent Steigung ist der Kerl ein harter Brocken, und Autofahrer tun gut daran, ihn auf der schmalen Strasse vorsichtig anzugehen. Vor allem auf den ersten Kilometern. Samstag und Sonntag darf man den Pass übrigens nur von der Schwyzer Seite her befahren. Und unternimmt vielleicht erst noch einen Ausflug auf den Stoos bzw.zum Stoos-Seeli; dorthin, wo der erste Teil der Strecke mit der steilsten Standseilbahn der Welt – der Stoos-Bahn – in Angriff genommen werden kann. Und anschliessend ganz hinauf zum Fronalpstock. Oder aber – auf der Schwyzer Seite – eine Wanderung zur Glattalp, der kältesten Alp der Schweiz. Samt Luftseilbahn.

Der grösste Fichtenurwald Mitteleuropas

Die Zahlen und Fakten zum Pragelpass hören sich unspektakulär an: Der Gebirgspass verbindet auf 35 Kilometern die Kantone Schwyz und Glarus, seine Passhöhe ist mit knapp 1500 Metern nicht eben berauschend. Wohl aber die Aussichten; von hier aus kann man spektakuläre Wandertouren auf die Silberen unternehmen, eine in der Schweiz einmalige Karstlandschaft. Im tiefer gelegenen Teil des Karstgebietes gibt’s gar einen richtigen Urwald. Bödmeren Fichtenurwald heisst dieser und gilt als grösster subalpiner Fichtenurwald Mitteleuropas. Über 500 jährige Bäume wurzeln hier, auch Moose, Flechten und Farne. Würde plötzlich Rotkäppchen aus dem Grün heraus purzeln: Niemand wunderte sich!

teddy-b.ch - Pragelpass (SZ/GL)
Pragelpass: von Schwyzer auf Glarner Seite.

Nach dem Pass hinunter zum Nass

Aber Ausflügler suchen nicht Rotkäppchen, sondern die Passhöhe. Dort steht eine trutzige Kirche, dort erwartet sie auch das Restaurant «Pragelpasshöhe», ein familiärer Bauernbetrieb. Und weit verstreut im Grün grasen Kühe – Idylle pur, begleitet von Dutzend fachem (Kuh-)Glockengeläute.
Das nächste Ziel – von der Schwyzer Seite her kommend – heisst Glarus, weitere 22 Kilometer von hier entfernt. Nach einer endlos schönen Fahrt durch das Grün schlängelt sich die Strasse hinunter ins Glarnerland. Genauso verzaubert wirkt der Klöntalersee, dieser Natursee, der seine Geburt einem Bergsturz verdankt. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Teddy B, Juli 2018

Teddy B Empfehlungen für spannende Naturschutzgebiete:

Lac de Derborance: Golden Eyes
Tschingelsee: Feuchtgebiete
Schloss Wildenstein: Eichen-Oldies
Amdener Höhenweg: Krüppelkiefern und Auerhühner
Klosterinsel Werd: Im Chatroom mit Gott
Wolzenalp: Barfuss durchs Moor

Teddy B – auch auf Facebook und Instagram!

2 Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here