Mit der Aue Chly Rhy im aargauischen Rietheim ist ein einzigartiges Naturschutzgebiet entlang dem Hochrhein entstanden – unter «tierischer» Mithilfe.

DIE FAKTEN:
Lage: Gemeinde Rietheim am Hochrhein – an der Grenze zu Deutschland
Höhe: 331 m.ü.M.
Rundwanderung (ab/bis Bahnhof Rietheim): ca. 1 ½ bis 2 Std.
Anforderungen/Kondition: Leicht
Empfehlenswert: Gute Sonnenbrille
Buchtipp zum Thema: Wanderungen durch Auengebiete
Anreise: Mit ÖV (Bahn/S-Bahn) via Koblenz oder Zurzach nach Rietheim und zu Fuss in 15 Min. zum Naturschutzgebiet. Mit dem Auto direkt zum Eingang des Auenschutzparks (Parkplätze vorhanden).
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DIE GANZE GESCHICHTE:
Eins vorneweg: Die grösste Arbeit in und an diesem Naturschutzgebiet leisteten Biber. Und sie leisten sie immer noch. Davon zeugen an vielen Stellen «frei gebaggerte» Wege ans Wasser. Und – vorab im Sommer – zurück gelassene bzw. unterwegs «vergessen gegangene» Zuckerrüben von den angrenzenden Feldern. Auf den Naturpfaden liegen Blätter und Pflanzenstängel, im Wasser kunstvolle Geflechte aus Ästen und Zweigen. Und etliche Baumstämme.

Auenlandschaft Chly Rhy: Alles Amazonas oder was?

Chly Rhy: Ganz natürlich zugeschüttet

Aber der Reihe nach: «Chly Rhy» heisst ein neues Naturschutzgebiet am Hochrhein bei Rietheim. Die wenigsten kennen den kleinen Aargauer Ort – weit eher das benachbarte Zurzach mit seinem Thermalbad, zu welchem Rietheim gehört. In dieser Region – zwischen Bad Zurzach und Koblenz – durfte sich der Rhein bis vor 100 Jahren richtig gehen lassen. Das breite Tal bot viel Auslauf, den er «nutzte»: Regelmässige Überschwemmungen waren die Folge – und damit auch die Vernichtung von Ackerland und Saaten. Weil nicht sein durfte, was nur natürlich war, hat man das Gebiet anschliessend immer wieder grossflächig aufgeschüttet. Auch der Chly Rhy, dieser kleine Seitenarm des Rheins, wurde vor Jahrzehnten zugeschüttet und vom Rhein abgetrennt. Und irgendwann war der wilde Fluss gezähmt, die einstige Auenlandschaft tot.

Renaturierung mit glücklichen Folgen

Heutzutage ist das Bewusstsein für die Natur und deren Erhaltung glücklicherweise ein anderes. Im Jahr 2015 hat deshalb im Gebiet von Rietheim eine bedeutende Renaturierung stattgefunden. Viele einstige Aufschüttungen, feste Wege und Standort-fremde Pflanzen wurden entfernt, Weiher und Tümpel neu ausgehoben und – vor allem: Der Seitenarm Chly Rhy freigelegt. Nach alten Plänen. Inzwischen bildet die Aue Chly Rhy das Herzstück des Auenschutzparkes am Rhein und liegt an der längsten freien Fliessstrecke des Hochrheins. Die 35 Hektaren grosse Aue samt dem 1,5 Kilometer langen Seitenarm Chly Rhy gehört zu den grössten im Kanton Aargau und ist auch von nationaler Bedeutung.

Am Hochrhein in Rietheim: Natur im Fluss…
… und an Land – das Paradies liegt vor der Haustür.

Aue Chly Rhy: Bibbern für die Natur

Während der Entstehung dieses Bijous war viel Baggern und «Bibbern» angesagt. Denn die grössten einheimischen Nagetiere der Schweiz sollten und wollten ihren Teil dazu beitragen. (Auch) dank ihnen ist dieses Naturparadies Realität geworden. Eine Auenlandschaft und gleichzeitig ein Schutzgebiet, welches Pflanzen und Tieren eine Heimat bietet, die sich in und an naturbelassenen Flussläufen wohl fühlen. Überall summt, zirpt und blubbert es. Auf morschem Holz in den Tümpeln halten Graureiher nach Fischen Ausschau, im modrigen Wasser ziehen Frösche und Unken ihre Runden, und darüber kreisen Libellen. Die Biber dagegen lassen sich nur durch ihre «Taten» sichten: Reihenweise gefällte Bäume am und im Wasser, namentlich Silberweiden und Pappeln. Deren weiches Holz schätzen die Nager für den Bau ihrer Burgen nämlich besonders.

Aussichtsplattformen laden zum Beobachten.

Eisvogel – beliebter Gast in den Auen

Wer Glück hat, sieht schillernd blaue Eisvögel vorbeiziehen: Die Beauties suchen sich ihre Bruthöhlen in Steilwänden aus Lehm und Sand und fischen in den Auen nach kleinen Fischen. Für Uferschwalben, die zu den bedrohte Auenbewohnern gehören, wurden Sandhügel errichtet; in deren Bruthöhlen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen oder vielmehr Rein- und Rausfliegen. Für die Flussregenpfeifer werden teils gar einzelne Gebiete abgesperrt; damit niemand die empfindlichen kleinen Vögel störe. Unterwegs laden Aussichtsplattformen und schön geschwungene Holzbrücken zum Be- und Übersteigen, Holzbänke und teils auch Feuerstellen zum Rasten und Innehalten. Und Infotafeln.

In Sandhügeln nisten Uferschwalben.

Auenlandschaft Chly Rhy: Laien willkommen

Keine Bange: Man braucht weder Ornithologe noch sonstiger Tier-Experte zu sein, um die Auenlandschaft Chly Rhy zu «verstehen». Man muss auch nicht den klassischen Rundweg wählen, der in 1 ½ bis 2 Stunden durch die verschiedenen Lebensräume unserer Mitbewohner führt. Mindestens so schön ist es, sich einfach treiben und die vielfältigen Stimmen und Farben auf sich wirken zu lassen. Verloren geht auf diesen 1.5 Kilometern niemand. Und wenn, dann höchstens im Reich der Sinne…

Lauschige Spaziergänge durch lichte Wälder.
teddy-b.ch - Aue Chly Rhy Tourverlauf
Rietheim: Die Aue Chly Rhy – 15 Min. vom Bahnhof.

Was Du ausserdem wissen solltest:

Wir Menschen sind in Auenlandschaften wie jener der Aue Chly Rhy gern gesehen – aber «nur» geduldet. Bitte beachte deshalb folgende Regeln:

  • Führe (D)einen Hund an der Leine, damit keine Fährten für andere Tiere gelegt werden.
  • Verlasse den Weg nicht, andernfalls störst Du die Tiere.
  • Es gibt offizielle Feuerstellen: Bitte benütze ausschliesslich diese!
  • Im Auengebiet sowie in den Seitenarmen des Rheins sind Schwimmen und Schwimmkörper verboten; bitte nütze dafür ausschliesslich den Rhein!
  • Fischen ist teils erlaubt – aber nur entlang dem Rheinuferweg und an speziell gekennzeichneten Stellen im Chly Rhy.

Teddy B und alle Lebewesen in diesem Auenschutzgebiet sagen «danke»!

PS: Für dessen Entstehung ist ein besonderes «Dreigespann» verantwortlich: 1. Der Kanton Aargau. 2. Pro Natura Aargau. 3. Die Biber Schweiz ? .

Weitere Infos

Teddy B, Juli 2020

Weitere Naturschutzgebiete in der Schweiz:

Lac de Derborance: Golden Eyes
Limmatspitz, Gebenstorf: Gezeiten
Tschingelsee: Feuchtgebiete
Schloss Wildenstein: Eichen-Oldies
Klosterinsel Werd: Im Chatroom mit Gott
Pragelpass: Tarzan im Schweizer Urwald
Wolzenalp: Barfuss durchs Moor

Teddy B – auch präsent auf Facebook und Instagram und mit Youtube-Channel!

1 Kommentar

  1. Super Geschichte, spannend erzählt und mit ganz vielen Facetten. Einfach super! Danke vielmals.

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