Mann im Moor und finnisches Feeling: Das Hochmoor Wolzenalp eignet sich perfekt für Moor-Einsteiger und Ausflügler. In einer Dreiviertel Stunde hat man den geheimnisvollen Trip absolviert – am besten barfuss!

DIE FAKTEN
Höhe: 1117 m.ü.M.
Lage: Hochmoor am Fusse des Speers (SG)
Länge Moorweg: ca. 40 Min.
Anforderungen/Kondition: leicht
Bücher über Moore und mehr: Buchhaus.ch – Schweizer Online-Buchhandlung
Anreise: mit dem Auto durch das Toggenburg bis Krümmenswil, anschliessend mit einer Sesselbahn hinauf zur Bergstation Rietbach (Ausgangspunkt Moorweg). Mit der Bahn bis Krummenau, anschliessend 15 Min. Spaziergang zur Talstation in Krümmenswil und mit der Sesselbahn hinauf zum Moor.
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DIE GANZE GESCHICHTE
Eine Alp, die auch ein Moor ist, noch dazu ein Hochmoor – wo gibt’s denn das? Im urchigen Toggenburg (St. Gallen) auf Sonnen verwöhnten 1100 Metern Höhe! Die Dörfer im Tal tragen kurlige Namen: Neu St. Johann, Alt St. Johann, Krummenau und Krümmenswil. Namen, die ich mir nie wirklich merken kann. Ausser vielleicht Krümmenswil. Denn von diesem Weiler aus, auf halbem Weg zwischen Ebnat-Kappel und Nesslau, führt ein Sessellift zum Hochmoor Wolzenalp – einer von Schweiz weit 88 geschützten Moorlandschaften.


Romantik-Gondeli statt Turbo-Lift

Das Hochmoor Wolzenalp gilt als Geheimtipp – genauso wie der Lift hinauf. Keine dieser Turbo-Bahnen, die einen in Nullkommanichts von A nach B hieven. Nein, ein richtig schöner, alter Sesselilift, auf dem man bereits beim Raufschaukeln die Zeit und alles andere vergisst. 23 Minuten dauert die Fahrt ins Glück. Keine Scheibe versperrt den Blick; im Rücken den Säntis, zur Linken der Blick Richtung Oberes Toggenburg mit seinen Mini-Orten, in der Nase der würzige Duft von frisch gemähtem Gras und unter mir nichts als Grün: So gondle ich bei prächtigem Wetter der Bergstation Rietbach entgegen.

Nostalgisch: Sessellift Krümmenswil – Wolzenalp.

Aug’ in Aug’ mit Europas höchstem Nagelfluh-Berg

Das allein wäre schon einen Ausflug wert. Doch es kommt noch besser. Weit und sanft schmiegen sich die Hügel und Hänge an den Fuss des Speer’s, höchster Nagelfluh-Berg Europas. Das Hochmoor Wolzenalp ist erreicht. Dieses Licht hier… – magisch-mystisch! Von ferne grüssen die Churfirsten, auf der anderen Talseite thront der Gipfel des Säntis. Überall Moorbirken, soweit man blickt, einige hundert Meter weiter dann majestätische, alte Nadelbäume. Alles Finnland oder was? Ich wähne mich im hohen Norden. Und all diese naturbelassenen, weichen Wiesenpfade, auf denen man wie auf Watte läuft! Bei jedem Schritt «gutscht» es unter den Füssen: Das Moor der Wolzenalp meldet sich, geheimnisvoll und ein bisschen unheimlich: Was wäre, wenn…?

Mystisch und prickelnd zugleich: Der Moorweg.

Tiefenentspannung im Hochmoor Wolzenalp

Also Schuhe aus und los gelaufen. 40 Minuten soll der Barfuss-Rundgang entlang dem Moorpfad Rietbach dauern. Aber was heisst hier «laufen»? Die Eile habe ich im Tal zurückgelassen, jetzt heisst es geniessen – eine Art Tiefentspannung im Moor. Schmale Holzpfade führen durch das blubbernde Grün, das sich mit braunen Schlamm- oder Torf-Tümpelchen abwechselt. Wie schön, sich mit gutem Gewissen wieder mal die Füsse «schmutzig» machen zu dürfen! Barfuss gehen, Schritt für Schritt. Schmetterlinge umschwärmen mich, Gräser schaukeln im leichten Wind. Dazwischen glänzen Wollgras, Studentenröschen, Rosmarinheide, auch Torfmoose und Heidelbeersträucher ziehen sich wie eine einzige Matte über’s Moor. Und hin und wieder Sonnentau, diese «gefrässige» Pflanze, die auf Fleisch steht. Namen und Bedürfnisse der Pflanzen sind auf Tafeln entlang dem Weg beschrieben. So erfahre ich Schritt für Schritt, wer sich in den sauren, nährstoffarmen Böden eines Hochmoors alles wohl fühlt. Und träume schon von meinem nächsten Trip in ein geheimnisvolles Moor.

Im Hochmoor: Alles Finnland oder was?

Moore machen hungrig

Auch ich, Teddy B, fühle mich rundum wohl. Und «gefrässig» bin ich inzwischen auch: Der Hunger meldet sich. Am Ende des Moorweges steht ein romantisches Holzhäuschen mit Fussdusche, anschliessend geht’s rüber zur Terrasse des Bergrestaurants Wolzenalp. Gastgeberin Vreni Früh empfiehlt mir das Vesperplättchen Wolzenalp mit Fleischspezialitäten einheimischer Metzger, schön arrangiert.

Gastgeberin Vreni Früh mit ihrem Vesperplättchen.

Mit Hugo auf der Wolzenalp

Alles gut. Aber noch mehr stehe ich auf «Hugo» – weil’s heute heiss ist, alkoholfrei. Vreni serviert das Trendgetränk aus Holunderblütensirup mit eiskaltem Mineralwasser, genug Zitronensaft und frischer Pfefferminze. So dass «Hugo» nicht so süss wie üblich ist. Und einen krönenden und frischen Abschluss meines Abenteuers im Moor bildet.

Mehr Infos

Teddy B, Juli 2018

Weitere spannende Moore und Naturschutzgebiete:

Etang de Gruère: Bann im Moor
Amdener Höhenweg: Krüppelkiefern und Auerhühner
Lac de Derborance: Golden Eyes
Tschingelsee: Feuchtgebiete
Schloss Wildenstein: Eichen-Oldies
Klosterinsel Werd: Im Chatroom mit Gott
Pragelpass: Tarzan im Schweizer Urwald

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4 Kommentare

  1. Superspannend und sehr animierend….am liebsten gleich raus aus dem Office und losfahren Richtung Toggenburg. Grosss Kompliment an Teddy B

  2. Vielen Dank, lieber Heinz, für das Kompliment! Ich freue mich, wenn ich meine Fans dazu animieren kann, schöne Schweizer Gegenden wie das Toggenburg noch besser kennen zu lernen.

  3. Lieber Teddy B, du warst im wunderschönen Toggenburg. Da gibt es Schönes viel zu sehen. Die Badi Schönenbodensee ist ein absolutes Muss! Ein Natursee Schwimmbad mit phantastischer Aussicht – klein und fein👌🏻

  4. Klingt fantastisch! Dann freue ich mich umso mehr aufs Festival Klangwelt in Alt St. Johann und werde den Besuch gleich verbinden mit der Wanderung!

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