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Im Dorf L’Etivaz (Waadtländer Alpen) ziehen anlässlich der Désalpe (Alpabzug) im September prächtig geschmückte Kühe durch die Strassen. Ein «appetitlicher» Anlass.

DIE FAKTEN:
Anlass: Désalpe (Alpabzug) im Dorf L’Etivaz
Wann und wo: Ende September (im Jahr 2019 am 28. September) im Dorf L’Etivaz
Lage: Waadtländer Voralpen am Col des Mosses
Höhe: 1400 m.ü.M.
Besonderes: Erster AOC-Käse der Schweiz
Anreise: Via Aigle oder Château d’Oex entlang dem Col des Mosses (Passübergang)
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DIE GANZE GESCHICHTE
Endlich kommen sie, die Stars des Tages! Ihr Gebimmel verrät sie schon Minuten früher. Von vielen Alpen um das Waadtländer Dorf L’Etivaz – 7 Kilometer von Château-d’Oex im Pays d’Enhaut entfernt – ziehen die Kühe Ende September zurück in die heimischen Ställe. Jede einzelne prächtig geschmückt. Nur das Beste ist genug für die tierischen VIPs anlässlich der Désalpe, dem feierlichen Albabzug. Bereits am Vortag haben die Armaillis (Sennen) den Blumenschmuck gefertigt und kunstvoll auf einen tabouret de traite (Melkschemel) drapiert.

Blumenschmuck, auf Melkschemeln montiert.

L’Etivaz: Melkschemel & Blumenschmuck

Diese tabourets tragen die erwachsenen Kühe nun auf dem Kopf über dem Namensschild, ihre schönste Glocke baumelt am Hals. Viele der Beauties tragen ebenso klingende Namen, etwa «Plaisante», «Jodi» und «Noblesse». Und als ob sie die besondere Bedeutung dieses Tages ahnten, schreiten die Kühe ebenso stoisch wie zügig durch das Dorf. Begleitet vom Applaus ungezählter Zuschauer, welche für die Désalpe nach L’Etivaz gereist sind. Für ein eigentliches Volksfest samt Alphornbläsern, Treichleschwingern und Ländlermusik. Mittendrin: Betty und ich, Teddy B 😊 .

Produzent Toni Ludi führt stolz durch den Käsekeller.

Alles im Kupferkessel produziert

Schliesslich wollten wir endlich mal sehen, wo und wie dieser berühmte Alpkäse gemacht wird. Ausserdem war diese Käsesorte hierzulande die erste überhaupt, die mit dem begehrten AOC-Zerfifikat (*) ausgezeichnet wurde, damals im Jahr 2000. Seither ist viel Milch in die hiesigen Kupferkessel geflossen – eines von vielen Qualitätskriterien des L’Etivaz. Denn die Rohmilch wird ausschliesslich in Kupferkesseln erhitzt, noch dazu über dem Holzfeuer. «Bis zu 30’000 Käselaibe produzieren wir mittlerweile zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober», verrät uns Toni Ludi stolz. Er ist einer von 170 Produzenten, die für «ihren» Käse genossenschaftlich organisiert sind. Auf Anfrage führt Ludi Käse-Fans ganzjährig (!) durch den riesigen Käse-Keller im Dorfzentrum, in welchem sämtliche Laibe ihrer Vollendung entgegen reifen – köstliche Degustation inbegriffen. Spontane Besucher dürfen auch im Verkaufsladen über dem Keller danach fragen. «Jederzeit», betont Ludi verschmitzt. Und gibt auch gerne das eine oder andere Käse-Geheimnis preis 😊 .

Einfach köstlich: Kaltes Plättli mit L’Etivaz in verschiedenen Reifestadien.

Den Deckel gelüpft

Hast Du etwa gewusst, dass man gewissen Käselaiben in L’Etivaz bewusst «den Deckel lüpft», damit sie noch perfekter werden? Ein appetitliches «Schicksal», in dessen Genuss jährlich nur 800 bis 1000 der besten Käselaibe kommen. Ihnen wird nach einer Reifezeit von sechs Monaten die obere Rinde entfernt und die Oberfläche mit Pflanzenöl eingerieben. Anschliessend werden sie 30 Monate natürlich getrocknet. Das Ergebnis? Top Hobelkäse.

Noch mehr Fakten zu L’Etivaz

  • Wer liefert die Milch? Rund 2800 Kühe, mehrheitlich Tiere der Simmentaler Rasse
  • Was es ist: ein Hartkäse mit Schmiere
  • Wo? Sie grasen auf Weiden zwischen 1000 und 2000 Metern Höhe – auf 130 Alpen/Sömmerungsbetrieben in der Gegend von L’Etivaz
  • Herstellungsmonate: Mitte Mai bis Mitte Oktober in 20 Alpkäsereien, wo der noch junge Käse max. 7 Tage bleibt
  • Wer produziert L’Etivaz? 170 Produzenten der Region
  • Veredelung/Reifung: Mindestens 135 Tage bzw. maximal 2 Jahre im grossen Käsekeller im Dorf L’Etivaz (auf ungehobelten Fichtenbrettern)
  • Besonderheit: «Rebibes», 30 Monate reifer L’Etivaz für Hobelkäse
  • So geniesst man L’Etivaz: Als Schnittkäse, Hobelkäse (L’Etivaz à rebibes) oder gemöckelt; geschmolzen für Käseschnitten, -wähen, Fondue u.a.
  • Kellereibesichtigung und Laden: Route des Mosses 78, L’Etivaz, Tel. 026 924 70 60
  • Bezeichnung AOC (*): Eidgenössisches Register der Ursprungsbezeichnungen und geographischen Angaben (AOC)
  • Dorf L’Etivaz: 150 Einwohner; 1 gemütliches (Familien-)Hotel im Chaletstil
Idylle: Dorf L’Etivaz in den Waadtländer Alpen.

Doch zurück zur Désalpe, diesem traditionellen Alpabzug von L’Etivaz. Am Festtag haben wir uns selbstverständlich an vielen Ständen durch den L’Etivaz geschlemmt. Und uns in mehr als «nur» den Käse verliebt. Auch die Gegend am Col des Mosses, diesem Passübergang in den Waadtländer Voralpen, ist echt idyllisch. Und noch nicht überlaufen.

Ruhe nach dem Sturm: “Plaisante” entspannt in Château d’Oex.

Pays d’Enhaut: Von wegen Röstigraben!

Nächstes Jahr werden wir wiederkommen an die Désalpe. Und vorher das eine oder andere im Pays d’Enhaut besser kennen lernen. Zum Beispiel das Scherenschnitt-Museum in Château-d’Oex und das Ballon-Museum, von wo aus Bertrand Piccard 1999 zu seiner Weltumrundung aufbrach. Und die romantische Pont Turrian, älteste Hängebrücke der Westschweiz, begehen. Bei dieser Gelegenheit werden wir auch das benachbarte Rüeblihorn endlich wieder besuchen. Jenes liegt am berühmt-berüchtigten Röstigraben. Doch der Röstigraben ist längst zur Röstibrücke geworden 🙂 .

Weitere Infos Pays d’Enhaut
Weitere Infos L’Etivaz

Teddy B, September 2019

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1 Kommentar

  1. Lieber Teddy B, die Gegend um den Col des Mosses ist einfach bezaubernd, da lohnt es sich zu bleiben und nicht einfach nur durchzufahren. Danke für den Tip auch mit den Hinweisen zu den Museen.

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