Hotel Klausenpasshöhe (UR): Eiserne Lady

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Das historische Hotel Klausenpasshöhe (UR) krächzt und ächzt aus allen Fugen. Betty (links im Bild) gefällt's trotzdem.

Es hat über 100 Jahre auf dem Buckel und stöhnt und krächzt aus allen Fugen: Das Hotel «Klausenpasshöhe», eine bucklige alte Lady mit Stil.

DIE FAKTEN
Hotel: «Klausenpasshöhe»
Höhe:
1850 m.ü.M. (Hotel) bzw. 1952 m.ü.M. (Passhöhe)
Lage: Urner Schächental
Besonderes: «Schräges», über 100-jähriges Hotel 😊
Anreise:
mit ÖV (Postauto 408) via Flüelen (UR) oder Linthal (GL) bis Station «Balm» (Klausen), mit dem Auto direkt bis zum Hotel (Parkplätze vorhanden).
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DIE GANZE GESCHICHTE
Erster Eindruck vieler BesucherInnen: Man muss wohl ein bisschen beschwipst sein! Denn alles ist schräg, wirklich alles: Der Fussboden, die Wände, Dachbalken, Fensterrahmen und sogar der Treppenabsatz. Das Rollköfferchen, das unbedacht ins Zimmer gestellt wird, rollt selbständig zu Tale – oder besser hin zum Fenster auf der Talseite. Wo der Blick weit abgeht ins Urner Schächental mit seinen majestätischen Zwei- und Dreitausendern, von welchen der 3267 Meter hohe Claridenstock gleich vis-à-vis thront.

Hotel Klausenpasshöhe: Trutziger Bau in Schieflage.

Hotel «Klausenpasshöhe»: Sympathische Schlagseite

Das Hotel «Klausenpasshöhe» hat Schlagseite – aber durchaus sympathische. Denn seit der trutzige Steinbau 1903 innert nur einem Monat (!) erbaut wurde, hat er viele Stürme überstanden. In den Wintermonaten drückt der Kriechschnee das Haus Jahr für Jahr ein paar Zentimeter mehr in Schräglage. «Wir müssen jedes Jahr nachschleifen», gesteht Wirtin Cécile Zemp, die das Hotel mit Partner Hanspeter Kaufmann seit 21 Jahren führt. Und weist auf die schiefen Ebenen der vielen Holzflächen hin; selbst in der Gaststube verläuft die Decke schief, auch die Wanduhr hängt irgendwie schräg in der Gegend 😊.

Nostalgie-Zimmer mit Blick auf das Schächental (UR).

Einfach wohnen mit allem Drum und Dran

Doch alles ist da in den 18 Zimmern mit ihren 31 Betten. Einfache Möbel wie Nachttische, Kommode, Schrank und Tisch – aus Holz samt den Wänden, der Decke, dem knarrenden Fussboden. Toiletten, Lavabo und Duschen gibt’s auf den Etagen. Und das reicht vollkommen! Denn schliesslich liegt das Wander-Paradies vor der Haus- und Hoteltür, verbringt man die meiste Zeit draussen! Vom Klausenpass, der das Urner Schächental auf einer Länge von 46 Kilometern mit dem Glarner Linthal verbindet, gehen verschiedenste Top-Wanderrouten ab. Etwa hinauf zum Balmer Grätli auf 2218 Metern, eine kurze, relativ einfache Wanderung. Eine der schönsten ist der Schächentaler Höhenweg, der im Sommer von der Passhöhe auf 1952 Metern bis nach Flüelen (Eggberge) verläuft und 22 Kilometer umfasst. Im Winter ist eine abgekürzte Variante möglich.

Viel Holz und Nostalgie gibt’s auch im Korridor.

Das letzte Stündchen schlägt bald

Allerdings hat dem ehrwürdigen Hotel «Klausenpasshöhe» das vor-letzte Stündchen geschlagen. Spätestens Ende Saison 2020 ist Schluss mit Nostalgie und Historie; dann weicht der trutzige Steinbau mit seiner charakteristischen Schindelfassade einem modernen Neubau. Bis dahin heisst es die alte, durchaus charmante Lady zu würdigen: Auf der langgezogenen Terrasse in der Nachmittagssonne ein Bier schlürfen, abends in der gemütlichen «schrägen» Gaststube einen Urnerteller, Sennenrösti oder Älplermagronen geniessen. Und später vom Zimmer aus in den Sternenhimmel träumen, wo weit mehr als «nur» der Grosse Wagen blinkend durchs Dunkel ziehen. Und das Gebimmel einiger Dutzend Kühe für schönste Nachtmusik sorgt.

Zumindest sie werden bleiben, die Kühe und die Sterne. Dann, wenn die alte Lady längst nicht mehr ist…

Teddy B, August 2019

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