DIE FAKTEN
Lage: Gemeinde Veyras oberhalb von Sierre (Siders) im Wallis
Höhe: 645 m.ü.M.
Anreise: Mit der Bahn via Martigny oder Leuk nach Sierre, anschliessend in ca. 15 Min. zu Fuss nach Veyras
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DIE GANZE GESCHICHTE
Wohl jeder von uns kennt seinen «Panther», welcher in der Menagerie des Pariser Jardin des Plantes gefangen gehalten wurde. Und war schon zu Schulzeiten betrübt von der Schilderung seines Blickes, «der vom Vorübergehen der Stäbe so müd geworden (war), dass er nichts mehr hält». Ein Gedicht, das weh tat und es immer noch tut. Immer dann, wenn man Raubtiere hinter Gittern sieht.

Grosser Dichter in kleinem Dorf

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926), österreichischer Dichter von Weltruhm, hat Zeit seines Lebens ungezählte Gedichte, Aufsätze und Romane geschrieben. Dass der grosse Rilke aber ausgerechnet ein ganz kleines Dorf für seine letzten Jahre zu seinem Wohn- und Arbeitssitz erkoren hat, ist nur Rilke-Fans bekannt.

Rilke im Wallis: Infotafeln erzählen.

Leben in einem Schloss

Der Ort heisst Veyras und ist eine Gemeinde oberhalb von Sierre im Wallis. Hier hat Rainer Maria Rilke von 1921 bis zu seinem Tod 1926 gelebt. Auf «Schloss Muzot», wie der schlichte, mittelalterliche Wohnturm etwas grossspurig heisst, sind berühmte Werke (z.B. die «Dueneser Elegien», die «Sonette an Orpheus» sowie die «Sonette an Valéry») entstanden. Von hier aus soll der Dichter auch viele Spaziergänge unternommen haben, etwa in den berühmten Pfynwald, nach Leukerbad und bis nach Vercorin auf der gegenüberliegenden Talseite.

Der Wohnturm liegt am Weinweg.

Auf Rilke-Tour im Wallis

Leider ist das Château de Muzot in Privatbesitz und kann nur von aussen bewundert werden. Trotzdem lohnt sich ein Besuch. Sei es in Verbindung mit einer Wein-Wanderung zwischen Sierre und Salgesch – gleich unterhalb führt der nach Rilke benannte Weg vorbei – oder indem man Muzot mit anderen Rilke-Stationen im Wallis verbindet.

Noch einmal in Rilke schwelgen:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein grosser Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille
und hört im Herzen auf zu sein.

(6. November 1902, Paris)

Teddy B, Oktober 2019

Weitere Top-Ziele im Wallis:

Pyramiden der Raspille: Schön verkalkt
Lac de Derborance: Golden Eyes
Lötschentaler Höhenweg: Wieder so ein Welterbe!
Leukerbad: Mit Pablo Picasso über die Gemmi
Turtmanntal: Sag mir, wo die Bären sind!
Lac de Moiry: Gletscher-Anschluss
Salgesch: Herbstgold
Schwarzsee Lötschental: Voll der Kracher
Berghotel Schwarenbach: Mit Tomba zum Gipfel
Antoniuskapelle Birchen: Teurer Gotteshock

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